Kaffeehaus am Spittelberg
Die Gutenberggasse ist am Morgen still. Der Bäcker nebenan hat seine Semmeln schon weg, bei uns kocht erst das Wasser. Frau Leitner stellt den Kuchen vor die Tür, die Form hat einen verbeulten Rand, der Kuchen selbst ist dicht und nach Walnuss.
Der Marmor auf den runden Tischen kommt aus einem Schalter, den eine Bank in der Neustiftgasse ausgebaut hat. Eine Ader läuft durch die Platte wie ein Riss. Die Tassen sind weiß und nicht gleich: bei manchen ist der Goldrand schon weg. Wer einen Verlängerten will, sagt es. Aufgeschrieben steht das nirgends, und an der Tür hängt keine Tafel.
Geröstet wird hier nicht. Donnerstags holt jemand den Sack bei einem Röster in Ottakring, im Hof, ohne Laden zur Straße. Der Kaffee ist darum von Woche zu Woche ein bisschen anders, und die Stammgäste merken das, ohne dass wir es erklären.
Wenn auf dem Spittelberg Markt ist, verirren sich Leute herein und setzen sich ans Fenster, weil man von dort die Gasse sieht. Wer länger bleibt, bekommt ein Stück Kuchen, auch wenn er nicht danach gefragt hat.